28. Februar 2026
Da kommt eine Frau und reißt einer FriedA die Flugblätter aus der Hand, zerreißt sie, wirft die Schnipsel wütend und verachtend auf den Boden und geht schreiend davon.
Es kommt ein Mann, der keine Flugblatt benötige: Er bete. Dies sei sein Akt der Solidarität.
1. November 2025
Die Passantin kommt ein erstes Mal vorbei und nimmt kein Flugblatt. Beim zweiten Durchgang über den Goetheplatz sucht sie das Gespräch: Wozu wir da eigentlich Woche um Woche stünden. Die abgegebene Erklärung leuchtet ihr dann ein, unter anderem:
Wir wollen aufklären, wir stellen uns gegen die unablässige Propaganda, wonach Russland etwa 2029 angreifen werde, weshalb wir Hochrüstung benötigen, zu Lasten von Gesundheit, Pflege, Bildung, Wissenschaft und Kultur;
wir prangern an, dass die Stationierung von US-befehligten Mittelstreckenraketen 2026 in Deutschland ohne demokratischen Prozess und außerparlamentarisch beschlossen wurde, indem der umstrittene damalige Kanzler O. Scholz 2024 schlicht eine Weisung seines Übervaters Joey Biden entgegennahm;
wir klären darüber auf, was die NATO von den Dächern pfeift, dass sie nämlich Russland unendlich überlegen ist, wie es etwas weniger bombastisch auch in einer Greenpeace-Studie bestätigt wird, und vom schwedischen Friedensforschungsinstitut SIPRI, von der RAND Corporation usw.
Dies klinge ja alles ganz vernünftig, so die Passantin. Aber sie und ihre Bekannten würden sich fragen, warum wir denn auf dem Goethe-Platz einen dermaßen aus der Zeit gefallenen Auftritt hätten: Diese PACE-Fahnen in Regenbogenfarben, diese naiven Sprüche wie FRIEDEN SCHAFFEN OHNE WAFFEN. Sie empfehle prägnantere Fingerzeige wie etwa Verweise darauf, dass die USA von jeher die Nr. 1 in der Welt sein wollten. Sie sei übrigens Kommunikationsberaterin. Sie wurde herzlich eingeladen, doch einmal beratend auf einem FriedA-Plenum in Erscheinung zu treten.
11. Oktober 2025
Ein Passant lehnt die FriedA-Flugblätter ab, mit der Erläuterung: „Ich besitze Rheinmetall-Aktien!“
4. Oktober 2025
Starkregen. Dennoch sind Versatzstücke eines Gesprächs zu vernehmen:
„Ich möchte nicht in Russland leben, ich kenne es, spreche Russisch, bin Journalist, war dort!“
Der Mann, der dort spricht, dürfte also den Schluss gezogen haben, dass in Russland leben möchte, wer sich in der Öffentlichkeit für ein Ende des Ukrainekriegs ausspricht. Er wäre in der Tat nicht der erste, der diesen Schluss zieht und auf dem Goetheplatz zum Ausdruck bringt. Diese Frage sei gestattet: Was ist es, das uns aus der Distanz so aussehen lässt, als wollten wir ausgerechnet in Russland leben?
Er redet weiter:
„Es gibt dort keine Freiheit, keine spontanen Demonstrationen, schon gar nicht gegen die Regierung. Da kommen zwei Soldaten, gehen in eine Bäckerei, und alles verstummt. Die gehen gleich nach vorne durch und werden dort bedient. Kein Widerspruch von den Wartenden.“
Der Mann bekommt von uns zu hören, wir kennten andere Journalisten, die andere Sachverhalte berichten, dass wir aber durchaus nicht bestreiten wollen, was er zu erzählen weiß. Jetzt wird er gefragt:
Aber möchten Sie denn nicht auch, dass der Ukrainekrieg schnellstmöglich aufhört? Seine unvermutete Antwort:
„Und ob! Das will ich unbedingt. Und deswegen bin ich aus der Partei DIE GRÜNEN ausgetreten!“
31. Mai 2025
Ein Mann versucht, uns beizubringen: „Erst, wenn Israel verschwunden ist, kann man die Probleme lösen.“
Wir sagen ihm, dies sei purer Antisemitismus und entfernen uns.
Er schreit uns hinterher:
„Sie haben doch überhaupt keine Ahnung, meine Frau ist Jüdin!“
31. Mai 2025
Eine Ukrainerin kommt an unseren Tisch, sie könne Fotos von toten Freunden zeigen. Wie wir da verlangen könnten, dass keine Waffen zur Verteidigung in die Ukraine geliefert werden.
Auf unseren Hinweis, dass dieser Krieg niemals hätte beginnen müssen, siehe russischer Vertragsentwurf vom Dezember 2021, ruft sie aufgeregt: „Beweisen sie dies, sofort! Mit ihrem Telefon! Damit ich es fotografieren kann.“
Sie fotografiert einen entsprechenden Wikipedia-Eintrag von einem unserer Telefone ab.
24. Mai 2025
Im Vorbeigehen schreit eine Frau zum FriedA-Tisch herüber „Ich möchte mich nicht von Putin abknallen lassen!“
Vermutlich möchte sie sich von niemandem „abknallen“ lassen. Aber für die Passantin läuft offenbar alles darauf hinaus, dass sie von Putin abgeknallt werden wird, außer, es werden entschiedene Gegenmaßnahmen ergriffen. Zu diesen Gegenmaßnahmen gehört dann eben auch eine maßlose deutsche Aufrüstung, selbst bis hin zu einem neuen Krieg. Man darf eben nichts unversucht lassen, um nicht abgeknallt zu werden, mag sie denken. Die Friedensbewegung steht aus ihrer Sicht somit ihrem Schutz im Wege.
4. Mai 2025
Ich habe einige Personen – insbesondere zwei Frauen und einen Mann – kennengelernt, die keine Flugblätter nehmen, sich aber immer mit mir unterhalten. Auch gestern ist es wieder vorgekommen, dass Menschen meines Alters – vor allem Frauen – sich erleichtert äußern, dass sie nun schon ein so hohes Alter erreicht haben. Da kann ich ihnen immer nur beistimmen.
Besonders anrührend fand ich die Reaktion eines Mannes aus dem Kosovo, der als 14- bis 15-Jähriger den dortigen Krieg miterlebt und -erlitten hatte. Am Ende des Gesprächs sah er auf seinen Unterarm und stellte fest, dass sich dort die Härchen aufgestellt hatten. Dann sagte er: „Das geschieht immer, wenn ich vom Krieg rede.“
26. April 2025
Eine vielleicht 70-jährige Frau spricht uns an, ob Hochrüstung vielleicht nicht doch das Richtige wäre, weil sich dadurch nun einmal mehr Sicherheit erreichen ließe.
Darauf hingewiesen, dass Irren und Versagen nicht nur menschlich ist, sondern auch maschinell und elektronisch, stimmt sie zu. Insbesondere was die drohende Stationierung der US-Raketen 2026 in Deutschland angeht.
Sie selbst kenne den Krieg aus Berichten erster Hand.
Gleichwohl sei ihr Sohn in die Bundeswehr zurückgekehrt. Er wolle nicht länger zu Hause herumsitzen, während in der Ukraine der Krieg tobt.
Mittlerweile stehen ihr Tränen in den Augen. Auch als sie 10 Minuten später geht und FriedA Erfolg wünscht.
29. März 2025
1
Ein – dem eigenen stolzen Bekunden nach – Halb-Ukrainer verwickelte uns in ein Gespräch: Wie naiv wir doch seien: Gegen Putin, die Verkörperung des Urbösen, helfe nur fortgesetzter Krieg. Auf die 9-10 Mal gestellte Frage, wie viele Ukrainer seiner Auffassung nach noch sterben sollten, anwortete er, indem er von etwas ganz anderem zu erzählen begann oder seine Schmähreden gegen uns fortsetzte. Erst ganz zum Schluss äußerte er sich quantitativ und sagte: „einige“.
2
Dem Team-Sarg wurde die Garten-Schaufel entführt. Ein Mann nahm den dargebotenen Griff und ging mit der Schaufel weg. Nach etwa 30 Metern wandte er sich um und gab vor, an ein Geschenk geglaubt zu haben. Die Waffen wollte er indes nicht beerdigen.
3
Ein etwas älterer Herr schmähte den dargebotenen Griff der Gartenschaufel mit den Worten: „Wissen Sie, wie viele Menschen da schon angefasst haben, wie viele Bakterien daran kleben?“ Da zückte I. doch tatsächlich ein Desinfektionsspray und besprühte den Griff. Der Mann pöbelte gleichwohl weiter.
Seit etwa Januar 2025
lässt FriedA symbolisch mit Gartenschaufel und Erde Waffen beerdigen und das Kriegsbeil begraben:



