Aus der Rede von Jette (20 J.), Arbeitsgruppe gegen den Krieg, Kriegsgegnerin in der 4. Generation, auf der Protestkundgebung „Hamburg pfeift aufs Militär“ am 25. September 2025 in Eppendorf. Die Kund- gebung richtete sich gegen das Manöver „Red Storm Bravo“ , das in Hamburg vom 25. -29. Sept durchgeführt wurde, um „zivil-militärische Zusammenarbeit zu üben“.
. . . Ihre Kriege nicht auf unserem Rücken
Liebe Hamburgerinnen und Hamburger,
Wir leben in Zeiten großer Unsicherheit und Vereinzelung. In Zeiten, die Angst machen.
Angst – vor den Folgen des Sozialabbaus wie z.B. vor den Konsequenzen des immer maroder werdenden Gesundheitssystems, vor Aufrüstung und Krieg. Diese Sorgen sind real. Sie werden instrumentalisiert und gegen uns verwendet, um uns als Bevölkerung kleinzuhalten und zu spalten.
Wir sollen glauben, dass es da draußen den einen Feind gibt, der uns bedroht. Einen äußeren Übeltäter, gegen den wir uns nur durch enorme Aufrüstung „verteidigen“ können, mit noch mehr
Waffen, noch mehr Soldaten (…) und Kriegsmaschinerie. Doch, was uns wirklich bedroht, ist nicht „der Russe“, nicht „der Terrorist“, nicht „der Fremde“.
Was uns bedroht, ist das System, in dem wir leben. Ein System, das immer wieder Kriege produziert. Es sind die Mächtigen, die uns in jene Kriege schicken – für ihre Profite, ihre Macht, ihren Reichtum. Sie wollen uns glauben lassen, dass die Sicherheit in ihren Panzern und der Frieden in ihren Marschbefehlen steckt!
Und wenn dafür jetzt schon an allen Ecken und Enden gespart werden muss, (…) beim sozialen Wohnungsbau, in den Schulen, in den Krankenhäusern (…) die Ausbildungsförderungen gekürzt werden. Dem öffentlichen Nahverkehr angeblich das Geld fehlt – wie soll es dann erst werden,
wenn das neue 5% Ziel der Nato umgesetzt wird und etwa 45% des
Bundeshaushaltes für Krieg draufgehen? Sie wollen uns das als
notwendig für unsere Verteidigung verkaufen. Aber die
unzähligen Auslandeinsätze und Kriege der Nato, zum
Beispiel in Afghanistan, Irak oder im Balkan zeigen,
worum es wirklich geht.
Nämlich um die Sicherung von Rohstoffen und Ein-
flusssphären für westliche Banken und Konzerne.
Daran sieht man, dass die Nato kein Friedensbündnis ist, sondern
darauf ausgelegt ist, Kriege zu führen. Wir sehen in den Soldatinnen
und Soldaten anderer Länder keine Feinde. Sondern Klassengeschwister,
Leidensgenossen. Menschen – die genau wie wir – unter diesem
System leiden, ihr Leben riskieren sollen und die – genau
wie wir – ausgebeutet werden. Diejenigen, die die Kriege
führen, sterben nicht an der Front. Sie sitzen in den
Talkshows,Vorstandsetagen, Ministerien oder im
Bundestag und lassen für sich sterben!
Sie werden nicht im Kriegsfall eingezogen. Es sind wir, unsere Geschwister, unsre Freunde und unsere Kinder, welche die Kugeln ihrer Waffen abkriegen werden! Bei der geplanten Wehrpflicht sind es die 18-jährigen Jungs, die als erste eine Kugel für diesen Staat fangen sollen. Einen Staat, der ihnen nichts gibt, außer Sorgen und Ängste.


Wir haben genug von einem System, das kontinuierlich versucht, uns als Klasse zu vereinzeln und uns gegeneinander aufzuhetzen. Damit wir uns gegenseitig zu Schuldigen für immer prekärer werdende Lebensumstände machen!
Wir haben genug von einem Staat, der uns mit Repressionen und roher Gewalt überzieht, sobald wir uns gegen seine Interessen stellen! Sei es das extreme Eingreifen des Staates, wie beim „Rheinmetall Entwaffnen Camp“ in Köln. Oder wie das brutale Niederschlagen von Palästina Demonstra-tionen. Aber wir sind standhaft und kämpferisch geblieben. Wir werden uns auch weiterhin nicht einschüchtern lassen!
Wir haben genug davon, dass der Friedenswille als Naivität und Illusion abgetan wird!
Es ist nicht unser Krieg oder Militär! Wir wollen nicht
die Figuren ihrer Kriege sein, die für ihre Gewinne ihr
Leben lassen sollen!
Lassen wir uns nicht spalten! Lasst uns gemeinsam – Hand
in Hand – kämpfen für einen wirklichen Frieden! Für eine Gesellschaft, in der unser Leben, unsere Unversehrtheit mehr zählen als die Sicherung ihrer Profite!
Wir sagen klar:
Nein zur Rückkehr der Wehrpflicht!
Nein zur Militarisierung der Jugend!
Keine NATO-Manöver in unseren Städten!
Ihre Kriege nicht auf unserem Rücken!
Krieg und Frieden werfen viele Fragen auf. Wer auf der Höhe der bedrohlichen Zeiten sein will, kann sich nicht mit den Angeboten, Deutungen der gängigen Medien und der Regierungssprecher zufriedengeben. Wissen und Deutungen jenseits des Mainstreams sind vonnöten.
– Welche Rolle spielen die BRICS-Staaten für die Schaffung der neu entstehenden Weltordnung?
– Was sind die Vor-Geschichten der Kon- flikte? Warum hören wir von ihnen so wenig oder nichts?
– Wie ist es zu verstehen, dass so wenige Menschen an Friedensdemonstrationen teilnehmen?
– Welche Rolle spielen Einschüchterung und Angst für die Herstellung von Kriegs- lust und die Hinnahme von Bereitschaft zur (Selbst-) Vernichtung?
– In welchen Denkgebäuden stecken wir möglicherweise fest? Könnte D. neutral sein? Wie souverän ist D.?
Wir erleben, wie wohl die meisten Men- schen, auch Ohnmacht und Ratlosigkeit – und wollen damit nicht mehr allein bleiben. Wir stellen uns unsere Fragen, teilen mit, was uns beschäftigt und beun- ruhigt. Damit lässt sich besser leben und die Friedensarbeit besser gestalten. Es entwickelt sich eine Struktur aus Lernen und persönlichem Austausch. In hochflie- genden Momenten nennen wir unseren Gesprächskreis: Salon
Wir trainieren dort das Selberdenken.
Vorankündigung
26.11.25 Veranstaltung mit
Petra Erler
„Ein Feindbild wird gemacht: Der Russe war‘s!“
Über den langen Weg zum
Krieg und seine Beendigung.
Ort und Uhrzeit werden
noch bekannt gegeben